BIOGRAFIE
Slava Osinski — Biografie und Werkerläuterung
Vyacheslav „Slava“ Osinski, geboren 1978 in der Ukraine, arbeitet seit 2011 als Straßenkünstler in Berlin. 2015 gründete er SELFMADECREW, um an legalen Projekten teilnehmen zu können. Diese Seite fasst seinen Weg und die Werkgruppen zusammen.


Stationen
Der Weg vom Kunststudium in der Ukraine über die Drucktechnik bis zur eigenen künstlerischen Arbeit in Berlin.
1978
geboren in der Ukraine (UdSSR). Dort studiert er Kunst und erlernt die Techniken des Zeichnens und des Linolschnitts.
1993
Beginn des Architekturstudiums.
1995
Auswanderung nach Deutschland als Kontingentflüchtling mit der Familie; das Studium muss abgebrochen werden. In Lübeck kommt er mit anderen Zugewanderten in ein Flüchtlingslager und stößt dort auf aggressive Ablehnung.
1998
aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands beginnt ein Hörverlust, der sich zunehmend verschlimmert.
2003
Umzug nach Berlin.
2004–2007
Ausbildung zum Drucktechniker. Während der Lehre arbeitet er in einer Offsetdruckerei, danach zwei Jahre in einem Designatelier als Werbemittelhersteller. Dabei malt er ununterbrochen. Wegen des Hörverlusts muss er die Arbeit im Produktionsbetrieb und im Team aufgeben.
2009
er lernt in Berlin den deutschen Minimalisten Stefan Müller kennen. Aus der Bekanntschaft wird eine Freundschaft; Slava beginnt, sich mit den Fragen der zeitgenössischen Kunst auseinanderzusetzen.
2010
Beginn des eigenen künstlerischen Wegs, Anmeldung als selbstständiger Künstler.
seit 2011
aktiv als Straßenkünstler. Er versteht sich als autodidaktischer Abenteurer, der neue Möglichkeiten und visuelle Techniken eröffnet. Die ersten Schablonenarbeiten auf Berliner Straßen erscheinen unter dem Pseudonym „Ostap“ (Ostapchenko).
2013
Resident in der Galerie Urban Spree in Berlin und erstes eigenes Atelier. In den folgenden zwei Jahren entstehen mehrere Serien im urbanen Raum: „Spree Can“ (2013–2018), „Spreewald Underground“ (2013–2018), „Art is…“ (2014), „FAQlove“ (2013–2015) und „Indulgence“ (2013–2014).
2015
um an legalen Projekten teilnehmen zu können, gründet er eine eigene Marke: SELFMADECREW. Seitdem nimmt er mit der Crew an Ausstellungen und Auftragsprojekten teil.
Ausstellungen und Kunstprojekte seit 2012 stehen in der Vita auf der Tape-Artist-Seite.
WERKGRUPPE
Kunst aus Klebeband
2010
inspiriert von den minimalistischen Arbeiten seines Freundes Stefan Müller entsteht ein Objekt aus zwei Keilrahmen, die wie Kettenglieder miteinander verbunden sind.
2011
er beginnt mit farbigem GAFFA-Klebeband zu arbeiten, nach dem Motto: Klebeband statt Farbe.
2012
es entstehen die ersten parametrischen Klebeband-Konstrukte mit Licht- und Schatteneffekten.
2013
Ostap entdeckt die Anwendung des Schablonen-Prinzips für „Buntglasfenster“-Arbeiten aus Verpackungsklebeband auf Glas oder Leuchtkästen und setzt die räumlichen Experimente mit Klebeband fort.
2015
beim Experimentieren mit Klebeband und dem Wirkungsprinzip eines monochromen Rasters eröffnet er neue optische Effekte.
WERKGRUPPE
Schablone und Sprühfarbe
Die Schablonentechnik (Stencil) bevorzugt Ostap, weil sie als Vorfahre des Drucks zu den ältesten Methoden der Bildübertragung gehört und das Mittel der internationalen Sprache der Popkultur ist. In einer städtischen Umgebung ähnelt diese schnelle und wiederverwendbare Bildübertragungsmethode einer magischen, rituellen Handlung.
Wie viele seiner Künstlerkollegen spielt er mit den Kult-Symbolen und Charakteren der Popkulturen: Ost und West, männlich und weiblich, Salzgurke und Banane (Andy Warhol), Tscheburaschka und Micky Maus, Ratte. Die Archivierung durch Unikat-Abzüge der Schablonen auf Leinwänden ist dabei seine künstlerische Strategie.
Stets mit zynischem Humor, direkt und provokant, greift Ostap durch seine eher einfachen, aber prägnanten Motive die Themen der modernen Medienlandschaft auf: Politik, Religion, Liebe, Globalisierung, sexuelle und urbane Kultur. Dabei achtet er darauf, dass seine Arbeiten kaum eindeutige Statements wiedergeben. Ist er dabei Zyniker, Romantiker oder Kritiker? Diese Entscheidung überlässt Ostap dem Betrachter.
Oft kombiniert er verschiedene Techniken und arbeitet mit unkonventionellen Materialien — etwa mit Rasternetzen, fluoreszierenden oder UV-Farben. Durch die Verwendung gepunkteter Netze als Schablone entsteht auf der Leinwand eine Reihe optischer Täuschungen. In der Kunstgeschichte interessieren ihn Künstler wie Van Gogh, Klimt, Warhol und Banksy: Mythen, deren Namen selbständig zu wirken begannen. Seine künstlerische Methode ist die Verarbeitung moderner und klassischer Darstellungen und Deutungen.
Heute
Ab 2018 kreiert Ostap auf den Straßen eine Serie von Flachrelief-Selfies aus GAFFA-Klebeband und verwendet dabei die Technik des häuslichen, zweckentfremdeten Gebrauchs des Materials.
Derzeit lebt Ostap mit seiner Frau und zwei Töchtern in Berlin und ist weiterhin auf der Straße aktiv, arbeitet in Museen und beteiligt sich an künstlerischen, sozialen und kommerziellen Projekten.
Text: Alexandra Kriksunova.
Presse und Profile
Berichte über Slava Osinski und SELFMADECREW und die Verzeichnisse, in denen seine Arbeit dokumentiert ist.
2013
B.Z. Berlin: „Bei Slava bekommt die Kunst eine geklebt“ — über seine Tape-Art-Arbeiten bei den ersten Berlin Graphic Days.
2018
Sammlung Haupt: „Neu in der Sammlung: »GOD BLESS YOU« von Slava Ostap Osinski“
2020
Industrieverband Klebstoffe e. V.: „Tape-Art by SELFMADECREW: Geklebte Kunst, die verbindet“
2024
Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland: „Celebrating Freedom“ — Ausstellung ERLEBNIS EUROPA beim Festival of Lights mit einer Tape-Art-Installation von Slava Osinski.
Profile
Künstlerverzeichnis des Urban Nation Museums: SELFMADECREW und Ostap · Wikipedia (englisch): Slava Ostap

Zusammenarbeiten?
Ob Wand, Innenraum oder Ausstellung: Schildern Sie uns Fläche, Ort und Zeitraum.
















